So herzkrank sind die Deutschen – Herzbericht 2015 plädiert für Prävention und Aufklärung

Herzbericht 2015

Diese Woche veröffentlichte die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit drei ärztlichen Fachgesellschaften den undefinedDeutschen Herzbericht 2015. Der Report analysiert die bundesweite kardiologische und herzchirurgische Versorgung und erscheint jährlich.

Die wichtigste und alarmierendste Botschaft: Es starben mehr Menschen infolge von Herzerkrankungen als in den Vorjahren. Die Experten weisen darauf hin, dass der medizinisch-technische Fortschritt die Zahl der Sterbefälle zwischen 1990 und 2013 um 17,2 Prozent verringern konnte. In Zahlen: 1990 starben 85.625 Menschen am Herzinfarkt, 2013 52.044. Doch man muss sich die Zahlen, Daten und Fakten genauer anschauen.

Mehr Frauen als Männer sterben an Herzerkrankungen

Besonders auffallend ist die deutlich höhere Sterblichkeit bei Frauen mit Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Klappenkrankheiten. Im Jahr 2013 starben 29.973 Frauen an Herzschwäche, aber nur 15.842 Männer. Auch bei Herzrhythmusstörungen lag die Sterbeziffer (Gestorbene pro 100.000 Einwohner) der Frauen um 47 Prozent höher. Warum die Prognose bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Frauen ungünstiger als bei Männern ist, könne ohne zusätzliche Analysen nicht ohne weiteres erklärt werden. Diskutiert werden geschlechtsspezifische Differenzen von Arzneimittelwirkungen, anatomische oder hormonelle Gründe, aber auch die Tatsache, dass viele Frauen im hohen Alter allein leben.

Im Osten mehr Herzinfarkttote

Zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern besteht in der Sterblichkeit an Herzkrankheiten ein starkes regionales Gefälle. 2013 starben in Sachsen 93 von 100.000 Einwohnern infolge eines Herzinfarkts. Ein Jahr zuvor waren es 94 Todesfälle. Insgesamt liegt der Freistaat bezüglich der statistischen Sterbeziffer auf dem vorletzten Platz  – vor Schlusslicht Sachsen-Anhalt. Die meisten Sterbefälle wurden wegen ischämischer Herzkrankheiten (10.146 Fälle, davon 3.775 akute Herzinfarkte), gefolgt von Herzschwäche (2.114), Herzrhythmusstörungen (1.477 Fälle) und Herzklappenkrankheiten (817 Fälle) registriert. Für Gesamtdeutschland weist die Statistik aus: 128.808 Sterbefälle wegen ischämischer Herzkrankheiten, davon 52.044 akute Herzinfarkte, 45.815 wegen Herzschwäche, 26.208 wegen Herzrhythmusstörungen und 15.889 wegen Herzklappenkrankheiten.

Großer Präventionsbedarf

Forscher sehen einen Zusammenhang dieser Werte mit ungünstigen sozialen Faktoren und empfehlen deshalb beispielsweise Bewegungsprogramme in Betrieben und Schulen, einen verschärften Nichtraucherschutz und mehr Aufklärung über einen gesunden Lebensstil sowie über richtiges Notfallverhalten.

Damit weniger Menschen an Herzinfarkt sterben, müssen bisher noch nicht entdeckte Erkrankungen erkannt werden. Gemeint sind die „stillen Killer“: Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörung. Diese lassen sich durch undefinedVorsorge-Check-ups entdecken und gut behandeln.

Vor allem Menschen über 40 Jahren, die in Regionen mit hoher Sterblichkeit leben, sollten ihre Werte für Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker kennen, insbesondere wenn familiäre Vorbelastungen bestehen.

Die Sachsen haben, was die Verteilung der vertragsärztlichen Kardiologen betrifft, die mit Abstand günstigste Versorgungssituation innerhalb der ostdeutschen Bundesländer. Hier kommen 22.911 Einwohner auf einen kassenärztlich zugelassenen Kardiologen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 24.509 Einwohnern pro Kardiologe. Die Zahlen wurden auf Grundlage des Bundesarztregisters (Stand Dezember 2014) berechnet. Privatärztlich tätige Kardiologen fließen daher nicht in diese Statistik ein. (dm)

Foto: Deutsche Herzstiftung