Deutscher Herzbericht 2016 vorgestellt – mehr Prävention erforderlich

Heute wurde in Berlin der Deutsche Herzbericht 2016 vorgestellt. Er soll die Öffentlichkeit über die Versorgung von Herzpatienten informieren und Gesundheitspolitikern und Interessierten zeigen, was verbessert werden kann. Das erklärte der Vorstandsvorsitzende der undefinedDeutschen Herzstiftung, Professor Thomas Meinertz, Kardiologe am Klinikum Stephansplatz Hamburg.

Der 236-seitige Bericht wurde von zahlreichen Experten mehrerer medizinischer Fachgesellschaften erstellt. Herz-Kreislauferkrankungen sind nach wie vor die Haupttodesursache in Deutschland. Zwar sterben heute weniger Menschen infolge koronarer Herzerkrankungen, es werden aber mehr neu diagnostizierte Patienten stationär aufgenommen. Bessere Vorsorge, bessere Rettungswege, bessere Informationen und bessere operative Möglichkeiten, aber auch die Zahl der so genannten Chest-Pain-Units (246 zertifizierte Einheiten am 8. Dezember 2016) trugen dazu bei, die Sterblichkeit zu senken

Weniger Herzinfarkt-Tote seit 1990, aber mehr Frauen als Männer sterben an Herzkrankheiten

Im Jahr 2015 wurden 657.817 Patienten mit Angina Pectoris, akutem Herzinfarkt oder chronisch ischämischer Herzkrankheit stationär behandelt. Das entspricht rund 800 Fällen pro 100.000 Einwohner. Mehr als zwei Drittel der stationären Behandlungsfälle werden von Männern verursacht. Sie haben bei koronaren Herzerkrankungen eine schlechtere Prognose als Frauen. „Allerdings sterben zehnmal so viele Frauen infolge von Durchblutungsstörungen am Herzen als infolge von Brustkrebs“, betonte Prof. Dr. med. Hugo A. Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) und Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Frauen auch bei Diagnostik benachteiligt – mehr Forschung angemahnt

Der Deutsche Herzbericht 2016 führt aus, dass im Jahr 2014 110.915 Frauen, aber nur 97.061 Männer 2014 an koronarer Herzkrankheit/Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen, Rhythmusstörungen, Herzschwäche und angeborenen Herzfehlern starben. Die Herzinsuffizienz mit kontinuierlich steigenden Erkrankungsraten und Sterblichkeit fordere die Mediziner besonders heraus. Katus sprach von einer „drohenden Epidemie“, vor allem da sich die Herzschwäche bei älteren Patienten zu anderen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Stoffwechselerkrankungen gesellt. Warum es seit Jahren so deutliche Sterblichkeitsunterschiede im Verhältnis zur stationären Erkrankungshäufigkeit bei Frauen gibt, müsse die Wissenschaft herausfinden. „Frauen werden bei der Diagnostik häufig benachteiligt, werden weniger operiert und erhalten weniger Medikamente, haben aber mehr Komplikationen. Zudem muss man wissen, dass Frauen auch andere Symptome zeigen“, so Meinertz. „Viele Frauen denken, sie würden nicht herzkrank. Hier müssen Patienten und Ärzte umdenken“, wünscht sich Katus.

Meiste Infarkttote in Ostdeutschland, deutlich mehr Herz-OP‘s

Der Deutsche Herzbericht 2016 belegt, dass Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in Bezug auf KHK/Herzinfarkt, Herzschwäche, Klappenkrankheiten und Rhythmusstörungen eine Spitzenposition in der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit einnehmen. Allerdings verringerte sich die Sterbeziffer Sachsen von 93 Gestorbenen pro 100.000 EW (2013) auf 83 (2014).

In Freistaat Sachsen kommen 19.639 Einwohner auf einen der 208 berufstätigen Kardiologen. Damit ist die Versorgung etwas schlechter als der bundesdeutsche Durchschnitt von 18.934 Einwohnern pro Herzspezialist. Die Zahl der Herzoperationen stieg übrigens seit 1990 von 45.824 auf 185.270 im Jahr 2015. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl für Sachsen mehr als verzehnfacht: von 1.004 auf 12.327 Operationen.

Im europäischen Vergleich nicht Spitze – Mangel an Prävention

Eine 2016 veröffentlichte europaweite Ländervergleichsstudie mit Daten aus 50 Staaten bescheinigte Deutschland „einen hohen Verbesserungsbedarf in der Bekämpfung der Sterblichkeit und Erkrankungshäufigkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der KHK“. Bei der altersstandardisierten Herz-Kreislauf-Sterblichkeitsrate lag die BRD nur im Mittelfeld. Auch im Vergleich der verlorenen gesunden Lebensjahre aufgrund von Tod und einer Erkrankung liegt Deutschland deutlich hinter Frankreich, den Niederlanden oder Großbritannien. Obwohl Deutschland „in gewisser Hinsicht als Schlaraffenland der Herzversorgung“ gelte, so Prof. Meinertz, weil hier in kürzester Zeit der Zugang zu therapeutischer Intervention möglich ist, vermuten die Experten einen „Mangel an Präventionsstrategien in der kardiovaskulären Medizin“. Es müsse unbedingt im Kleinkindalter mit Vorsorgemaßnahmen begonnen und auf gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und besseres Wissen über den Körper hingearbeitet werden.(dm)

Abbildungen: ©Deutscher Herzbericht 2016/Deutsche Herzstiftung (Hg.)