Was ältere Sportler wissen sollten

Angeln und Kegeln als einzige sportliche Alternative für Senioren? Nicht, wenn es nach Dr. Carsten Nolte geht. Sein Vortrag „Sport im Alter“ zog am 2. Dezember 2016 so viele Interessenten in den Dresdner Laufsportladen, dass das benachbarte Hotel mit Stühlen aushelfen musste. Doch was ist alt und was ist mit Sport gemeint? Die Herzsportgruppe, bei der verquirlte Handtücher hin und her gereicht werden? Viele Senioren schmunzelten. Welcher Sport ist gefährlich und ist er das generell? Was motiviert und kann man damit wirklich jünger bleiben? Wenn ja, worauf ist zu achten?

Beliebter Mythos: der plötzliche Sport-Tod. 800 bis 1.200 Menschen sterben pro Jahr daran. Männer sind überproportional mehr betroffen als Frauen. Die meisten Todesfälle treten infolge (unerkannter) kardiovaskulärer Erkrankungen auf, oft im jüngeren Erwachsenenalter. Eine finnische Studie identifizierte die zwei gefährlichsten Tätigkeiten: danach sterben bei der Hausarbeit und auf dem WC die meisten Menschen. Aber: eine verbesserte Fitness kann die Lebenserwartung verlängern. Sogar wer nach längerer Inaktivität beginnt zu laufen, erzielt schon nach acht Wochen Effekte. Vorausgesetzt, etwaige Risikofaktoren sind zuvor eingestellt. „Wer Sport treibt, kann mit 70 fitter sein, als jemand mit 60, der keinen Sport macht“, so Dr. Nolte (58), bekanntlich selbst Läufer, der Fitness und Kampfsport trainiert.

Er erläuterte den Anwesenden, welche medizinischen Besonderheiten beim Sport zu beachten sind, beispielsweise, dass sich das Herz anpasst. Den Puls sollten ältere Sportler nicht am Handgelenk, sondern an der Halsschlagader messen. Vor dem Laufen empfiehlt sich generell ein Warmmachen – das ist gut für die Herzfrequenz. Wer hohen Blutdruck hat, soll diesen einstellen lassen und zwar unter Belastungsbedingungen auf dem Laufband. Etwa fünf Prozent der Hypertoniker wissen jedoch nicht, dass sie Bluthochdruck haben. Diesen sowie orthopädische und sonstige Risikofaktoren sollten ambitionierte Sportler mit dem Sportmediziner ihres Vertrauens besprechen. Im Idealfall kooperiert dieser interdisziplinär mit vielen Fachrichtungen. Besonders unbekannt ist vielen Menschen, dass chronische Entzündungen oft eine Ursache im Zahnbereich haben, die behandelt werden muss. Auch bei der Wahl der Sportart sollte auf die individuelle Beratung des Sportmediziners gesetzt werden.

Fazit: „Man muss Sport machen, sonst geht man in die ewigen Jagdgründe ein.“ Nach dem detailreichen und humorvollen Vortrag nutzen viele Teilnehmer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Warum manche Menschen Bluthochdruck bekommen, obwohl sie gesund leben, konnte auch Dr. Nolte nicht beantworten: „Die Wissenschaft weiß vieles noch nicht.“

Der undefinedDresdner Laufsportladen setzt seine Vortragsreihe 2017 fort. Das Programm wird momentan zusammengestellt. (dm)

Foto: Dagmar Möbius

Gespanntes Interesse auf den Vortrag „Sport im Alter“ im Dresdner Laufsportladen. Links stehend: Lutz Melzer im Gespräch mit Dr. med. Carsten Nolte (z.T. verdeckt).