Wo die Präventionspotenziale stecken

Arbeitsunfähigkeit

Wer in einem Metallberuf, in der Pflege, in der Küche, im Lager oder im Transport arbeitet, hat den höchsten Bedarf an Vorsorgemaßnahmen.

Das geht aus einer heute veröffentlichten Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor. Untersucht wurde das „Berufsspezifische Risiko für das Auftreten von Arbeitsunfähigkeit durch Muskel-Skelett-Erkrankungen und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems“. Diese Krankheitsgruppen sind gesamtgesellschaftlich am relevantesten.

Analysiert wurden Arbeitsunfähigkeitsdaten von 26,2 Millionen gesetzlich pflichtversicherten Berufstätigen aus dem Jahr 2008. Davon waren 13,7 Millionen Männer und 12,5 Millionen Frauen. Die Wissenschaftler geben an, damit rund 90 Prozent der gesetzlich pflichtversicherten Erwerbstätigen im Datenbestand berücksichtigt zu haben. Erstmals wurden diagnosespezifische Erkrankungsrisiken in einzelnen Berufen in Bezug zu statistischen Arbeitsunfähigkeitsdaten untersucht. Aus der berufsspezifischen Arbeitsunfähigkeit lässt sich der Präventionsbedarf ableiten.

Weltweit sterben die meisten Menschen infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, angeführt von Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Studienautoren geben an, dass derzeit mehr als 40 Prozent der Sterbefälle von Herz-Kreislauferkrankungen verursacht werden. Zudem verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankungen 37 Milliarden Euro Kosten (2008). 15 Prozent aller stationären Behandlungen, und damit weit mehr als jede andere Diagnosegruppe, entfallen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Anteil der Frühverrentungen von Erwerbstätigen bis zum 65. Lebensjahr liegt bei zehn Prozent.

Am häufigsten krankgeschrieben werden Deutsche wegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, davon sehr oft wegen Rückenschmerzen. 22,1 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage sind dieser Gruppe zuzuordnen. Statistiker haben berechnet, dass dadurch 13 Milliarden Euro Produktionsausfallkosten entstehen. Das entspricht 0,4 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Zusammenfassend war nachweisbar, dass in der Produktion und im Dienstleistungsbereich Tätige häufiger und mit spezifischen Spektren arbeitsunfähig waren. „Das gilt dort vor allem für Arbeitnehmer mit geringem und mittlerem Qualifikationsniveau und für beide Geschlechter gleichermaßen. Diagnoseübergreifend sind einzelne Berufe auffällig, z. B. Männer im Beruf als Metallarbeiter, Kunststoffverarbeiter oder Abfallbeseitiger bzw. Frauen im Beruf als Raum- und Hausratreiniger, Helferinnen in der Pflege oder Versandfertigmacherinnen“, so die Studienautoren. Aus den Unterschieden der Arbeitsunfähigkeitshäufigkeit lassen sich Präventionsschwerpunkte definieren.

Die primäre und auch sekundäre Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen in allen Altersklassen, müsse dringend wesentlich früher als bisher einsetzen. Dabei solle nicht nur auf Verhaltensprävention, sondern auch auf die Verhältnisprävention gezielt werden.

Die 351seitige Studie kann kostenlos als undefinedPDF im Internet heruntergeladen werden. (dm)

Cover der Publikation